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Bildungspolitik im Zeichen von PISA & Co

Seit Beginn dieses Jahrhunderts steht die deutsche Bildungspolitik im Zeichen von Abschlussquoten und PISA-Noten, die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) als entscheidender Qualitätsmaßstab propagiert werden. Gebetsmühlenartig fordert die Industrieländer-Organisation, Deutschland müsse mehr Abiturienten und Akademiker hervorbringen, deren Anteil in anderen Ländern viel höher liege. Denn wer studiert hat, könne ein höheres Einkommen erwarten, sei besser vor Arbeitslosigkeit geschützt, lebe infolge höherer Bildung gesünder und trage mit all dem zu einem höheren Volkseinkommen bei.

Mit diesem Dogma der von amerikanischen Ökonomen entwickelten Humankapitaltheorie habe ich mich seit 2013 in Publikationen, Vorträgen und Rundfunkbeiträgen kritisch auseinandergesetzt und durch internationale Vergleiche zeigen können, dass der behauptete Zusammenhang so nicht besteht, sondern oft eher das Gegenteil zutrifft. Für die wirtschaftliche Stärke Deutschlands ist vielmehr auch das duale Berufsbildungssystem von hoher Bedeutung, das in ähnlicher Form in Österreich und der Schweiz existiert, von der OECD aber in ihrem auf akademische Abschlüsse fixierten Verständnis von Bildung bis vor kurzem beharrlich unterschätzt wurde.

Ein zentrales Problem der OECD besteht darin, dass sie in ihrem jährlich erscheinenden Zahlenwerk Bildung auf einen Blick gewissermaßen Äpfel mit Birnen vergleicht. So erscheint der Abschluss der amerikanischen High School, die einst von Hannah Arendt als „eine Art erweiterter Volksschule“ charakterisiert wurde, als dem deutschen Abitur gleichwertig, weil nur die Anzahl der Vollzeit-Schuljahre verglichen wird. Dieses methodische Problem habe ich in einem Artikel in einem Internet-Forum näher beleuchtet. Weitere Widersprüche und Ungereimtheiten der OECD-Bildungsstatistiken habe ich exemplarisch schon 2014 in der FAZ aufgezeigt.

Noch mehr als durch Bildung auf einen Blick ist die OECD durch die seit 2000 durchgeführten PISA-Studien zur „grauen Eminenz“ der deutschen Bildungspolitik geworden. Sie gelten vielen als Goldstandard der Bildungspolitik, obwohl von Anfang an breite Kritik an ihren theoretischen und methodischen Grundlagen sowie ihrer Interpretation durch die OECD geübt wurde. Im Mai 2014 haben mehr als 3000 Wissenschaftler und Pädagogen aus den USA und Deutschland in einem offenen Brief an PISA-Koordinator Andreas Schleicher das vorläufige Ende der PISA-Tests gefordert. Doch eine kritische Diskussion ihrer Aktivitäten wird von der OECD nicht geschätzt, und so darf man gespannt sein, was für Ergebnisse von PISA 2015 im Dezember 2016 der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Lehrerarbeitsmarkt

In den 1980er Jahren herrschte in Deutschland eine hohe Lehrerarbeitslosigkeit. Forschungen haben gezeigt, dass Phasen der Überfüllung und des Mangels auf dem Lehrerarbeitsmarkt in 200 Jahren mit einer bemerkenswerten Regelmäßigkeit aufeinander gefolgt sind. Zusammenfassungen des damaligen Forschungsstandes bieten Aufsätze aus dem Jahr 1987 in einer kürzeren und einer längeren Version.